Nach Sony-Datenraub Forderung nach strengen internationalen Regeln

Quelle: AFP, 28.04.2011

Köln – Nach dem Diebstahl sensibler Daten von Onlinenutzern der Sony-Playstation hat der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar mehr Unterstützung von der Bundesregierung gefordert. Notwendig seien “stärkere internationale Instrumente, um den Datenschutz zu gewährleisten”, sagte er am Donnerstag im ARD-”Morgenmagazin”. Derweil warnte auch Microsoft vor Problemen beim Online-Dienst seiner Spielekonsole.

Sony hatte am Dienstagabend bekanntgegeben, dass Hacker in der Vorwoche das Online-Netzwerk von Playstation und des Musikdienstes Qriocity geknackt und sensible Daten gestohlen hätten. Rund 77 Millionen Nutzer weltweit habe der Konzern daraufhin per E-Mail vor möglichem Datenklau gewarnt.

Schaar erklärte aufgrund der Vorkommnisse, notwendig sei ein nicht nur in Deutschland, sondern auch international sehr hohes Datenschutz-Niveau. Das forderte auch der Präsident des High-Tech-Verbands Bitkom, August-Wilhelm Scheer. Deutschland habe bereits mit den schärfsten Datenschutz weltweit. “Der aktuelle Fall macht deutlich, dass scharfe deutsche Gesetze in der globalen Welt des Internets nichts bewirken”, erklärte Scheer. Statt nationale Gesetze zu verschärfen, sollten sich internationale Organisationen mit dem Thema befassen.

Der Leiter des Unabhängigen Datenschutzzentrums Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, sieht allerdings auch hierzulande Nachbesserungsbedarf: Weltkonzerne wie Sony, Facebook und Google seien in Deutschland faktisch nicht für Versäumnisse beim Datenschutz haftbar zu machen, sagte er der “Neuen Osnabrücker Zeitung” von Donnerstag. “Die Unternehmen haben zwar Vertriebsgesellschaften in Deutschland gegründet, die juristisch Verantwortlichen sitzen aber in Japan oder den USA.” Sie seien für die Datenschutzbehörden nicht zu greifen.

Nutzer von Online-Netzwerken seien bislang auf eigenes Risiko unterwegs, da der Gesetzgeber “diese rechtliche Grauzone noch immer toleriert”, kritisierte Weichert. Wer Daten deutscher Verbraucher via Internet zu wirtschaftlichen Zwecken erhebe, müsse künftig gesetzlich verpflichtet werden, eine juristisch verantwortliche Stelle in Deutschland einzurichten, forderte er.

Sony räumte derweil ein, dass die Datendiebe möglicherweise auch Kreditkarten-Informationen ausgespäht hätten. Gemeinsam mit der Polizei suche der Konzern nun nach den Tätern. Darüber hinaus habe das Unternehmen eine “angesehene Technologie-Sicherheitsfirma” engagiert, um eine “vollständige Untersuchung” des Hacker-Angriffs vorzunehmen, erklärte Sony-Sprecher Patrick Seybold via Nachricht auf der Playstation-Webseite.

Konkurrent Microsoft warnte unterdessen die Nutzer seines XBox-Live-Angebots vor einem ähnlichen Angriff wie bei Sony. Probleme gebe es bei registrierten Nutzern des Spiels “Modern Warfare 2″. Während des Spiels könnten Nutzer Nachrichten erhalten, die sensible Daten erfragten. “Wir kennen das Problem und sind dabei, es zu beseitigen”, erklärte Microsoft.

Wann Sony sein Playstation-Angebot wieder online stellt, ist derzeit noch unklar. Einige Dienste sollen Konzernangaben zufolge innerhalb der nächsten Woche wieder laufen. Das gesamte Angebot soll laut Seybold erst dann wieder bereitgestellt werden, “wenn wird sicher sein können, dass es sicher ist”.

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