Facebook: Auskunft über die eigenen Daten verlangen

Der Druck auf Facebook & Co., bessere Datenschutzstandards zu etablieren, sollte verstärkt werden, schrieb ich gestern. Hier ist noch eine hervorragende Idee, wie dies geschehen kann. Man stelle sich vor, auch nur 10% aller deutschen Facebook Nutzer  würden diese Möglichkeit in Anspruch nehmen -

Quelle: newsecho.de

www.newsecho.de/digital/netz_und_technik/X5vkC9urFsc/%E2%80%9Eeuropaeisches_recht_wird_ignoriert%E2%80%9C-studenten_zeigen_facebook_an

Wien – Facebook bekommt Ärger von ungewohnter Seite: Drei Studenten aus Wien zeigen den Konzern vor der irischen Datenschutzbehörde an – mit guten Erfolgsaussichten, wie sie selbst sagen. Und zeigen nebenbei, wie man die über sich gespeicherten Daten von Facebook verlangen kann.

Der Datenschutz bei Facebook – ein viel diskutiertes Thema in letzter Zeit, das bisher meistens in der Feststellung endete, dass Facebook für europäische Datenschützer nur schwer erreichbar ist und sich dank des weniger strengen Datenschutzes in den USA ohnehin kaum um die Befindlichkeiten der Europäer schert. Doch ein kleiner Trick, mit dem Facebook vermutlich Steuern sparen will, könnte dafür sorgen, dass sich das soziale Netzwerk doch europäischen Datenschutzstandards anpassen muss.

Der Hintergrund: Facebook hat eine Niederlassung in Irland, die nicht einfach nur als europäische Außenstelle dient, sondern auch Vertragspartner aller Facebook-Nutzer außerhalb der USA und Kanadas ist. Dann muss sich Facebook aber auch an europäisches Recht halten, sagen die Betreiber der Webseite Europe-v-facebook.org – das irische Datenschutzrecht basiert auf einer Richtlinie der Europäischen Union aus dem Jahr 1995, die vergleichbare Datenschutzregeln in allen Mitgliedstaaten vorschreibt.

16 Anzeigen gegen das soziale Netzwerk

Hinter der Webseite stehen drei Studenten aus Wien, unter ihnen der angehende Jurist Max Schrems, der durch sein Studium auf das Thema aufmerksam wurde: „Ich habe auf einer Uni im Sillicon Valley studiert und dort eine Arbeit zu Datenschutz auf Facebook geschrieben. Das Ergebnis war, dass Facebook im Prinzip europäisches Recht ignoriert“, sagte Schrems gegenüber newsecho.de. Im Gespräch mit Freunden stellte er schnell fest: „Es wäre schade, diese Erkenntnisse auf meinem PC verstauben zu lassen“. Gesagt, getan – also formulierte der Student zusammen mit Freunden daraus 16 Anzeigen gegen Facebook, die sie bei der irischen Datenschutzbehörde einreichten. Dabei geht es unter anderem darum, dass Facebook von Nutzern gelöschte Daten nicht endgültig entfernt, sondern nur als gelöscht markiert. Doch die Vorwürfe gegen Facebook gehen noch weiter: Die Datenschutzrichtlinie des sozialen Netzwerks sei so unklar, unbestimmt und widersprüchlich, dass sie nach europäischem Recht vermutlich sogar ungültig sei.

Jeder kann seine Daten anfordern

Was Facebook alles weiß, lässt sich dabei mit etwas Aufwand selbst herausfinden: Nach europäischem Recht sind Firmen verpflichtet, auf Anfrage eine Kopie der Daten herauszugeben, die sie über die Person gespeichert haben. Eine Anleitung, wie das genau funktioniert, haben Schrems und seine Mitstreiter auf ihrer Webseite veröffentlicht: „Wir haben über 4.500 Zugriffe auf die Anleitung verzeichnet. Natürlich wissen wir nicht, wie viele Nutzer dann auch die Daten tatsächlich angefordert haben, wir bekommen aber viele E-Mails zu diesem Thema“. Der Nutzer muss dafür ein gut verstecktes Formular auf der Facebook-Webseite ausfüllen und eine Ausweiskopie einschicken. Mit etwas Geduld erhält er anschließend von Facebook eine CD zugeschickt, die mehrere hundert Megabyte an Daten enthalten kann.

„Die Chancen waren nie besser“

Dabei schätzte Schrems die Erfolgsaussichten zu Beginn eher geringer ein: „Anfangs haben wir das eher als kleinen Test gesehen, wie durchsetzungsfähig die europäischen Behörden sind“. Mittlerweile sieht er die Sache etwas anders, wie er newsecho.de verriet: „Der Vorsitzende der irischen Behörde hat sich zu diesem Thema bereits gegenüber uns und auch gegenüber einigen Medien ausgesprochen und angekündigt die Gesetze mit allen Mitteln durchzusetzen, falls die Anzeigen zutreffen und mit Facebook auf dem Verhandlungsweg keine Lösung zu erreichen ist“, erklärte Schrems. „Ich denke also nun, die Chancen waren nie besser, endlich ernsthaften Datenschutz auf Facebook zu erreichen“.

Wie ernst nimmt der Goliath die Anzeigen?

Natürlich klingt das trotzdem noch wie der sprichwörtliche Kampf David gegen Goliath – ein paar engagierte Studenten gegen ein milliardenschweres Unternehmen, das noch dazu jede Menge private Informationen über seine Gegner kennt. Doch der kleine Steuertrick könnte Facebook dennoch in Schwierigkeiten und den europäischen Datenschützern zu einem Triumph verhelfen. Dass Facebook offenbar bereits für den Fall plant, dass die irische Datenschutzbehörde sich durchsetzt, sieht Schrems jedenfalls bestätigt: „Wir haben auch erfahren, dass Facebook schon ein Team für diesen Fall abgestellt hat, was zeigt dass auch Facebook die Sache relativ ernst nimmt“. Schaden kann es sicherlich nicht.

 

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Über Paula Coehler
Ich bin seit vielen Jahren als Beraterin in Sachen Datenschutz, Datensicherheit, Neue Medien und Urheberrecht tätig. Ich bin Juristin, lebe, arbeite und schreibe in Hamburg. Mich interessiert die Verbindung meiner praktischen Erfahrung mit den theoretisch-politischen Konzepten zum Datenschutz und zum Recht allgemein. Mein Name ist ein Pseudonym - nicht weil ich, wie viele immer noch meinen, hier Dinge schreibe, die ich mich unter Klarnamen nicht zu schreiben traute. Sondern weil es mir so einfacher gelingt, meine Ansprüche an meine eigenen Texte auf ein Normalmaß zu reduzieren. Und weil ich auf diese Weise auch mal über Ereignisse bei Auftraggebern berichten kann, die ich zuvor angemessen verfremde. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen, real existierenden Unternehmen oder Ereignissen sind daher rein zufällig.

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