Die vernünftige Nutzung Sozialer Netzwerke (1)

Der ganz große Hype um Facebook scheint schon wieder abzuflauen, aber trotzdem werde ich fast täglich nach den Chancen und Risiken der Nutzung Sozialer Netzwerke gefragt. Daher habe ich die wesentlichen Hintergründe und Gebote hier in einer Übersicht zusammengestellt.

Erstens – Bezahlt wird mit Privatsphäre

Als erstes sollte man sich vergegenwärtigen, dass in einem Sozialen Netzwerk umsonst nicht umsonst ist. Zwar kann sich jeder und jede bei Facebook oder Google+ ein Profil anlegen (um nur die Bekanntesten zu nennen), ohne dafür Gebühren zahlen zu müssen. Bezahlt wird dennoch, bezahlt wird mit persönlichen Daten. Beispiel Facebook: Das Unternehmen soll demnächst mit ungefähr 100 Milliarden Dollar an die Börse gehen. Reichlich viel für eine Firma, die nichts produziert und überhaupt erst seit drei Jahren Gewinn abwirft. Diese Tatsache führt denn auch zum nächsten Gebot.

Zweitens – Seien Sie (daten-) sparsam

Alle Informationen, die Sie in Sozialen Netzwerken hinterlegen, werden von den Anbietern gespeichert, ausgewertet und zu Werbezwecken genutzt und vermutlich auch an andere Firmen verkauft. Je mehr Angaben Sie machen, desto lukrativer ist Ihr Profil. Das gilt nicht nur für Hobbies, Interessen, Vorlieben, sondern auch für „Gefällt mir“-Angaben, die Teilnahme an Gruppen, Spielen und das Hochladen von Fotos und überhaupt alle Angaben, die sich irgendwie kommerziell verwerten lassen – und das ist im Zweifel selbst die Postleitzahl. Wozu genau diese Informationen im Einzelnen genutzt werden und an wen sie übermittelt werden, gehört zu den gut gehüteten Geheimissen von Facebook und Co.

Drittens – Profile werden geplündert

Profile werden also geplündert. Die Plünderung durch die Werbeindustrie ist das eine, aber auch andere nutzen die Informationen, die wir über uns preisgeben. Kriminelle bedienen sich in den Profilen; Identitätsdiebstahl wird auf diese Weise vereinfacht. Für Personalverantwortliche ist es zur Regel geworden, in Sozialen Netzwerken über Bewerber zu recherchieren. Wer unter Hobbies „Kiffen“ eingetragen oder Fotos vom letzten Besäufnis veröffentlich hat, dürfte in vielen Unternehmen schlechte Chancen auf Einstellung haben.

Viertens – Das Internet vergisst nie

Es gibt einen weiteren Grund, in Sozialen Netzwerken datensparsam zu sein. Das Internet vergisst nie und es wird auch in Zukunft nicht vergessen. Forderungen nach einem „digitalen Radiergummi“ werden schöne Träume bleiben; sie sind technisch nicht realisierbar. Jeder Text, jedes Foto hinterlässt eine Spur, die auch nach Jahren noch auffindbar ist. Peinliche Selbstdarstellungen bleiben auf diese Weise ebenso erhalten wie brillante wissenschaftliche Abhandlungen. Zwar kann man einzelne Beiträge löschen, aber es ist kein Verlass darauf, dass diese nicht schon anders wohin kopiert wurden oder von den Anbietern der Netzwerke trotzdem noch vorgehalten werden.

- Fortsetzung folgt -

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Über Paula Coehler
Ich bin seit vielen Jahren als Beraterin in Sachen Datenschutz, Datensicherheit, Neue Medien und Urheberrecht tätig. Ich bin Juristin, lebe, arbeite und schreibe in Hamburg. Mich interessiert die Verbindung meiner praktischen Erfahrung mit den theoretisch-politischen Konzepten zum Datenschutz und zum Recht allgemein. Mein Name ist ein Pseudonym - nicht weil ich, wie viele immer noch meinen, hier Dinge schreibe, die ich mich unter Klarnamen nicht zu schreiben traute. Sondern weil es mir so einfacher gelingt, meine Ansprüche an meine eigenen Texte auf ein Normalmaß zu reduzieren. Und weil ich auf diese Weise auch mal über Ereignisse bei Auftraggebern berichten kann, die ich zuvor angemessen verfremde. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen, real existierenden Unternehmen oder Ereignissen sind daher rein zufällig.

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