Datenschutz im Krankenhaus: Randnotizen

Vor kurzem war ich bei einer Fachtagung von Datenschutzbeauftragten aus einem großen Klinikkonzern zu Gast. Auf der Liste der Referenten war ich die einzige Frau, was nicht ungewöhnlich ist. So in etwa stellte ich mir denn auch die Aufteilung unter den Teilnehmern vor. Doch weit gefehlt, knapp zur Hälfte war die Gruppe weiblich. Und offenbar war ich nicht die Einzige, die angenehm überrascht war.

Frauenquote erfüllt

Als ich nach dem Begrüßungskaffee und vor dem ersten Beitrag auf die Toilette ging, traf ich im Vorraum auf zwei Teilnehmerinnen. „Ah!“, sagte die eine. „Das ist ja mal was anderes. Sonst habe ich auf solchen Tagungen die Damentoilette immer für mich alleine!“. Sie hatte einen technischen Beruf. Eine andere, auch sie mit technischem Hintergrund, erzählte in der Mittagspause eine ähnliche Geschichte. Leider waren die Frauen sicht-, aber nicht hörbar. Keine einzige beteiligte sich an den recht lebhaften Diskussionen um Datenschutzfragen im Klinikalltag.

Zeitquote mangelhaft

Noch eine andere Quote spielte auf der Tagung immer wieder eine Rolle: Die Zeitquote. Zeitquote meint die Zeit, die die Datenschutzbeauftragten der Krankenhäuser für die Ausfüllung ihres Mandats im Verhältnis zu ihrer eigentlichen Arbeit zur Verfügung haben. Nach seinen Eindrücken von der Tagung gefragt, antwortete ein Teilnehmer auf der Rückfahrt: „Es war gut, sich mal den ganzen Tag mit Datenschutz beschäftigen zu können, das kann man ja sonst nicht“. Dieser Satz fasste zusammen, was im Verlauf des Tages immer wieder deutlich wurde: Die Datenschutzbeauftragten haben alle zu wenig Zeit, um ihrer Arbeit angemessen nach zu kommen. (Wobei diese Häuser im Vergleich zu anderen, die ich kenne, mit Datenschutzsachverstand recht gut ausgestattet sind). Nun ist das kein Befund, der nur Krankenhäuser betrifft. Die Diagnose Zeitmangel von Datenschutzbeauftragten kommt in vielen anderen Unternehmen, in denen interne, nebenberufliche Datenschutzbeauftragte tätig sind, ebenso vor. Im Unterschied zu vielen anderen Unternehmen werden in einem Krankenhaus allerdings höchst sensible Daten in sehr umfangreichen und technisch anspruchsvollen Verfahren verarbeitet. Die Tätigkeit als Datenschutzbeauftragte in einem Krankenhaus ist nach meiner Einschätzung eine der anspruchsvollsten überhaupt. So mutet es schon bedenklich an, gerade an dieser Stelle am Datenschutz zu sparen.

 

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Über Paula Coehler
Ich bin seit vielen Jahren als Beraterin in Sachen Datenschutz, Datensicherheit, Neue Medien und Urheberrecht tätig. Ich bin Juristin, lebe, arbeite und schreibe in Hamburg. Mich interessiert die Verbindung meiner praktischen Erfahrung mit den theoretisch-politischen Konzepten zum Datenschutz und zum Recht allgemein. Mein Name ist ein Pseudonym - nicht weil ich, wie viele immer noch meinen, hier Dinge schreibe, die ich mich unter Klarnamen nicht zu schreiben traute. Sondern weil es mir so einfacher gelingt, meine Ansprüche an meine eigenen Texte auf ein Normalmaß zu reduzieren. Und weil ich auf diese Weise auch mal über Ereignisse bei Auftraggebern berichten kann, die ich zuvor angemessen verfremde. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen, real existierenden Unternehmen oder Ereignissen sind daher rein zufällig.

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