Gmail-Man: Microsoft-Video macht sich über mangelnden Datenschutz bei Googles Mail-Service lustig

Quelle: pcgames.de, 29.07.2011

Google und Microsoft liefern sich zur Zeit einen harten Kampf um Kunden für ihre jeweiligen E-Mail-Dienste. In einem nun aufgetauchten VIdeoclip mit dem Gmail-Man nimmt Microsoft das Thema Datenschutz zum Anlass, um Kritik an Gmail zu üben.

Microsoft und Google sind in vielen Bereichen Konkurrenten, so unter anderem auch im Bereich der E-Mail-Dienste, namentlich Hotmail beziehungsweise Googlemail. Vor wenigen Tagen hat der Internet-Riese mit dem freundlich-bunten Logo eine Kampagne gestartet, die natürlich das Ziel hat (Noch-) Nicht-Gmail-Nutzer zum Wechsel zu überreden. Genauer erklärt, auf mehr oder weniger amüsante Art und Weise, wird das Ganze im ersten Video unterhalb der Meldung und auf Emailintervention.com.

Nun hat sich Microsoft seinerseits zu Wort gemeldet und kontert Googles Attacke mit einem Video über den Alltag des Gmail-Man.

Der Gmail-Man bringt Inhabern von Gmail-Accounts die Post, liest sie aber vorab höchstpersönlich durch – skandalös! Aber warum tut er das? Grund ist das vielleicht interessanteste, zugleich aber wohl auch umstrittenste Feature von Googles Gmail: die sogenannte Priority Inbox. In dieser werden eingehende E-Mails nach vermeintlicher Wichtigkeit vorsortiert. Um diesen Service gewährleisten zu können, muss der Internet-Riese die Post des Empfangenden mitlesen oder besser gesagt auf bestimmte Schlüsselwörter scannen. Die auf diesem Wege erhaltenen Daten nutzt Google wiederum zu Werbezwecken.

Datenschutz-Panik – Warum interessiert Google mein Katzenfutter?

Quelle: SPIEGEL ONLINE, 14.07.2011

Von Konrad Lischka

Google plant eine Onlinebörse, in der Werbenetzwerke Anzeigenplätze verkaufen und Nutzungsprofile auswerten können. Beobachter fürchten ein Datenschutz-Debakel. Doch die Realität ist komplizierter.

Hamburg – Wenn es ums Netz, Google und Anzeigenvermarktung geht, ist Aufregung garantiert. Eine Meldung des US-Fachmagazins “AdAge” hat in Deutschland einen Sturm der Aufregung provoziert. “AdAge” berichtet über ein Projekt namens DDP, an dem Google mit einigen anderen Unternehmen arbeite. Das Ziel: Eine Anzeigenbörse für Onlinewerbung, auf der Kunden Anzeigenplätze bei verschiedenen Werbenetzwerken buchen können.

Das interessanteste Detail: Google will bei DDP nicht nur die Anzeigenplätze der unterschiedlichen Werbevermarkter zusammenführen, sondern auch die Systeme zum Zuschneiden der Werbung auf bestimmte Nutzergruppen. Fast jedes Werbenetzwerk hat für diese Platzierung von Anzeigen basierend auf demografischen und anderen Daten ein eigenes System – Google arbeitet bei DDP laut ” AdAge” an einer Standardisierung dieser Verfahren. Sprich: Wenn ein Katzenfutterproduzent seine Anzeigen nur Besuchern von Katzen-Websites zeigen will, könnte er über DDP diese Vorgabe zentral für alle angeschlossenen Werbenetzwerke eingeben.

So weit die bislang bekannten Fakten. Die Aufregung in Deutschland entstand, nachdem die ” Süddeutsche Zeitung” unter Berufung auf den “AdAge”-Artikel meldete: “Künftig sollen Werber bei Google Daten von Verbrauchern kaufen können, mit Name, Adresse und, vor allem, nach Interessen sortiert.” Unter der Überschrift “Google will Nutzerprofile direkt verkaufen” berichtete Zeit Online.

Ein Google-Sprecher bestritt auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, dass das Unternehmen Nutzerdaten- oder -Profile verkaufe. Inzwischen haben “SZ” und Zeit Online ihre Texte online entschärft, der Vorwurf des Verkaufs von Nutzerdaten fällt nicht mehr. Doch die Deutung der Geschichte hält sich, obgleich nichts Konkretes zu DDP bekannt ist. Der Branchendienst “Kress” meldet: “Die Werbeindustrie wird jubeln, Datenschützer werden demonstrieren.”

Das dürfte stimmen. Denn völlig unabhängig davon, wie Googles neue Anzeigenbörse im Detail funktionieren wird, dürfte die Vorstellung, dass jemand Onlinewerbung einfach so auf Katzenfutterfreunde zuschneiden kann, viele Menschen erschrecken. Der erste Gedanke ist: Die wissen, dass ICH Katzen habe! Tatsächlich weiß der Anzeigenvermarkter wahrscheinlich nur, dass an dem gerade verwendeten Rechner schon recht oft Katzen-Websites aufgerufen wurden. Und dann sieht man eben auch auf anderen Seiten Reklame für Katzenfutter.

Targeting, Nutzungsprofile, verhaltensbasierte Werbung – SPIEGEL ONLINE erklärt, wie die Online-Reklame funktioniert.

2. Teil: Was bedeutet Targeting?

Unter dem Schlagwort Targeting fassen Werbevermarkter ganz unterschiedliche technische Ansätze zusammen, mit denen sich Anzeigenkunden an eine bestimmte Zielgruppe richten können. Es geht immer darum, den sogenannten Streuverlust zu minimieren: Online-Werbung für Fotokameras sollen nur Online-Nutzer sehen, die sich für Fotografie interessieren.

Klassische Anzeigen in gedruckten Magazinen bieten so gesehen auch schon Möglichkeiten zum Targeting: Es gibt Fachmagazine für Fotografie. Zudem können die Werbevermarkter jedes Magazins mit einem breiteren Themenspektrum potentiellen Anzeigenkunden sehr genau erklären, wie viele Leser in welchen Alters-, Einkommens- und Bildungsgruppen ihr Heft hat.

Online-Netzwerke wissen all das auch, sie können nur genauer differenzieren, weil sie in der Regel spezielle Angebote zu ganz unterschiedlichen Themen im Web vermarkten. Google bietet Anzeigenkunden mehr als 1000 Interessenkategorien (Autoliebhaber, Vielreisende, Tierfreunde), in die bestimmte Surfertypen eingeordnet wurden.

Hinzu kommen spezielle Targeting-Möglichkeiten im Web: Man kann Werbung zu bestimmten Tageszeiten oder bei einem bestimmten Wetter anzeigen lassen. Es lassen sich die Regionen eingrenzen, in denen Werbung gezeigt werden soll, man kann aber auch Anzeigen nur den Nutzern zeigen, die in den vergangenen Wochen bestimmte Websites abgerufen haben.

Die Werbekunden können bei diesen Anbietern aber nur den Zugang zu Zielgruppen kaufen, nicht zu einzelnen Personen in dieser Zielgruppe. Man kann also zum Beispiel seine Katzenfutter-Anzeige Online-Nutzern in München zeigen lassen, die in den vergangenen Wochen Katzen-Sites aufgerufen haben. Aber der Anzeigenkunde erfährt nicht, wer diese Katzenfans nun sind. Online-Werbung soll exakt definierte Zielgruppen erreichen, nicht einzelne Menschen direkt ansprechen wie das umstrittene Direktmarketing.

3. Teil: Woher wissen die Werbenetze, wer Katzen-Websites aufruft?

Alle großen Werbenetze arbeiten mit sogenannten Cookies. Das sind kleine Textdateien, die der Browser auf der Festplatte des Computers ablegt, wenn man eine Website abruft, auf der Anzeigen des jeweiligen Netzwerks zu sehen sind. Über diesen Cookie erkennt das Werbenetzwerk dann den Computer wieder, wenn im Browser ein anderes Angebot aufgerufen wird.

Google zum Beispiel sortiert auf Basis dieser Information die einzelnen Rechner, von denen Seiten abgerufen werden, konkreten Interessenkategorien zu. In dem Zusammenhang ist zwar immer wieder von “Nutzern” die Rede, gemeint ist damit aber ” eine eindeutige Instanz eines Webbrowsers”. Sprich: Wenn zwei Menschen sich einen Computer teilen und denselben Browser nutzen, gelten sie als ein Nutzer.

4. Teil: Was wissen die Werbenetzwerke sonst noch?

Einzelne Werbenetzwerke ergänzen das Rohmaterial zum sogenannten verhaltensbasierten Targeting um unterschiedliche Zusatzinformationen. Einige Beispiele:

  • Das Yahoo-Werbenetz wertet für die Kategorisierung von Zielgruppen auch aus, welche Suchanfragen Nutzer bei Yahoo eingegeben und welche Artikel sie auf den Yahoo-Medienangebot aufgerufen haben. Wenn jemand sich an dem Rechner mit dem Yahoo-Cookie bei einem Yahoo-Dienst einloggt (Mail, Flickr), werden dem Cookie die demografischen Daten der letzten Person zugeordnet, die bei Yahoo angemeldet war. Ein Beispiel: Wenn Sie in ihrem Yahoo-Profil angeben, ein Mann aus München zu sein, übernimmt das Werbenetzwerk diese Information.
  • Microsoft beschreibt die Datenbasis für die Zielgruppen-Kategorien seines Werbenetzes so: “Da Sie Onlinedienste verwenden und auf Websites browsen, die von Microsoft und Microsoft-Partnern bereitgestellt werden, verwenden wir die erfassten Daten (Suchanfragen, Seitenansichten, Links, auf die Sie klicken, oder ähnliche Daten), um vorhersagen zu können, welche Werbung Sie am meisten interessiert.”
  • Auch Google bietet Anzeigenkunden eine Vorauswahl nach Alter und Geschlecht an – aber nur in einem bestimmten Werbeumfeld. Google erklärt das so: “Einige Publisher im Google Display-Netzwerk verfügen über bestimmte, individuelle Nutzerdaten. In sozialen Netzwerken werden Nutzer z. B. oftmals aufgefordert, sich mit Alter und Geschlecht zu identifizieren. Einige Websites im Google Display-Netzwerk stehen für Gebote nach demografischen Kriterien zur Verfügung, viele aber nicht.” Konkret heißt das: Wenn eine Seite wie etwa YouTube bei eingeloggten Nutzern weiß, wie alt sie laut ihrem Profil sind, können Anzeigen entsprechen zugeschnitten werden – allerdings nur auf YouTube.
  • Einige Anbieter ergänzen die Informationen zum Surfverhalten um Antworten aus anonymen Online-Befragungen: Der Targeting-Anbieter Nugg.ad zum Beispiel veröffentlicht auf den Websites seiner Kunden Fragenbögen, Schwerpunkte sind laut Nugg.ad “die Themenfelder Produktinteresse und Soziodemografie” – sprich: wie alt ist der Nutzer, der gerade den Browser nutzt, würde er auch Hautcreme kaufen? Solche Informationen lassen sich aus dem Surfverhalten nur schwer ableiten.
  • Beim US-Netzwerk Adbrite kann man Anzeigen mittels Daten von Drittanbietern wie Rapleaf, Targetinfo und Exelate auch auf Zielgruppen zuschneiden wie “Twitter-Mitglied”, “seit sechs Monaten verheiratet”.

Nach dem, was bislang über Googles Projekt DDP bekannt ist, würde diese Plattform es ermöglichen, Zielgruppen für Anzeigen nach Targeting-Optionen unterschiedlicher Werbenetzwerke zu definieren. Ein hypothetisches Beispiel: Netzwerk X weiß, dass mit einem Browser regelmäßig Tennisseiten aufgerufen werden. Netzwerk X weiß, dass mit diesem Browser in den vergangenen Wochen oft Reiseseiten aus seinem Partnernetz abgerufen worden sind. Nun könnte ein Anbieter theoretisch eine Anzeige für eine Reise zum Wimbledon-Turnier diesen Nutzern anzeigen lassen.

5. Teil: Wie lässt sich die Datensammlung stoppen?

Nutzer können einzelne Cookies löschen, generell die Annahme von Cookies im Browser deaktivieren oder nur bestimmte Cookies erlauben und andere nur nach Rückfrage speichern lassen. Die Online-Werbenetze bieten aber auch an, einen sogenannten Opt-Out-Cookie zu installieren. Ist der einmal abgelegt, versucht der Anbieter nicht wieder, Cookies auf diesem Rechner zu platzieren.

Eine kleine Anbieter-Übersicht mit Linkliste zu den Opt-Out-Seiten bietet der Bundesverband Digitale Wirtschaft. Eine erheblich komfortablere und umfangreichere Site betreiben verschiedene Verbände der US-Internetwirtschaft – hier kann man direkt über eine Seite bei 74 Anbietern ein Opt-Out aktivieren.

 

Firefox vs. Internet Explorer

Neue Runde im Browser-Wettbewerb

Quelle: sueddeutsche.de, 04.03.2011

In den nächsten Wochen bringen Microsoft und Mozilla neue Versionen ihrer Browser heraus. Auf der Cebit gaben sie erste Details zu den Erweiterungen bekannt.

Das Web wird bunter und bewegter. Die beiden führenden Browser-Hersteller Microsoft und Mozilla stellten auf der Cebit neue Versionen ihrer Software vor, die Animationen und Videos mit dem künftigen Standard HTML5 unterstützen. “Die Einbindung aller HTML5-Elemente ist uns sehr wichtig”, sagte Mozilla-Chef Gary Kovacs. “Es ist faszinierend, wie reichhaltig die Web-Erfahrung damit wird.” Der neue Firefox 4 wird nach seinen Angaben bereits in drei bis vier Wochen zum Download bereitstehen.

Microsoft macht noch keine Angaben zur Fertigstellung des Internet Explorers 9 (IE 9), zurzeit liegt da eine letzte Testversion als “Release Candidate” vor. Microsoft bekennt sich ebenfalls zu HTML5, gibt sich aber konservativer. Microsoft-Technologieberater Daniel Melanchthon betont, dass HTML5 als Standard noch gar nicht verabschiedet sei und sich noch im Status eines “Arbeitsentwurfs” (Working Draft) befinde.

Der IE 9 unterstütze zwar wesentliche HTML5-Bestandteile wie die Einbindung des Video-Elements oder auch des Canvas-Elements für interaktive Grafiken. Bei anderen Bestandteilen von HTML5 sei es aber “nicht verantwortlich, dies Endkunden zur Verfügung zu stellen, denn die Dinge ändern sich”.

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Umso mehr betont Microsoft neue Leistungsmerkmale beim IE 9 wie höhere Schnelligkeit aufgrund der Nutzung des Grafikprozessors, einen Stromsparmodus für mobile Geräte im Akku-Betrieb oder eine übersichtlichere Oberfläche des Programms. “Der Web-Browser ist der schnellste, den wir auf dem Markt haben”, sagt Melanchthon. “Wir glauben auch, dass sich dieser Vorsprung nicht aufholen lässt durch die künftige Entwicklung der anderen Browser.”

Um diesen Anspruch zu belegen, startet Melanchthon eine Web-Anwendung mit HTML5, die Microsoft als Test entwickelt hat – der IE 9 ist schneller damit durch als Firefox und der Google-Browser Chrome. “Die Darstellung hinkt deutlich der Darstellung hinterher, die wir in IE 9 haben”, sagt Melanchthon. Die Anzeige der Tabs, also der Registerkarten für mehrere gleichzeitig geöffnete Webseiten, platziert der IE 9 neben die Adressleiste. Der Platz dafür reiche aus, weil die meisten User nicht mehr als fünf Tabs geöffnet hielten, erklärt Melanchthon.

Heavy-User können die Leiste mit den Tabs aber auch unter die Adressleiste verlegen. Beim Öffnen eines neuen Tabs werden die meistbesuchten Webseiten aufgeführt – ein nützliches Feature, das es etwa auch schon beim Apple-Browser Safari gibt. Mehr Sicherheit bei den persönlichen Daten verspricht der Tracking-Schutz im IE 9. Damit können Schnüffel- und Analyse-Dienste blockiert werden, wie sie meist für Werbezwecke zum Einsatz kommen.

“Es ist sehr wichtig, dass wir dem Nutzer die volle Kontrolle über die eigenen Daten geben”, sagt Microsoft-Managerin Dorothee Ritz. Allerdings ist der Schutz nach der Installation standardmäßig deaktiviert und muss erst vom Nutzer eingerichtet werden. Der Firefox hat für solche Zwecke spezielle Plugins (Erweiterungen).

Beim Mozilla-Projekt sagt CEO Kovacs, der IE 9 sei durchaus “ein nett aussehendes Produkt” und unterstütze jetzt mehr offene Standards als vorher. “Es geht uns nicht darum, ob wir oder sie gewinnen.” Dem Open-Source-Projekt sei vor allem an einer einheitlichen Web-Erfahrung gelegen – und die auf möglichst allen Arten von Geräten.

Etwa gleichzeitig mit dem Firefox 4 werde es deswegen auch eine Firefox-Version für das Handy-Betriebssystem Android geben. Und mit dem Werkzeug Firefox Sync sei es möglich, Lesezeichen und die Übersicht der zuletzt aufgerufenen Webseiten auf allen Geräten auf dem gleichen Stand zu halten. Kovacs ist zuversichtlich, dass der Firefox im Wettbewerb mit dem IE 9, Safari, Chrome und Opera weiter zulegen kann – nicht zuletzt auch wegen der breiten Unterstützung von Betriebssystemen.

Während der IE 9 nur auf einem Rechner mit Windows Vista oder Windows 7 läuft, bedient der Firefox alle Windows-Anwender: “Wir unterstützen auch XP”, sagt Kovacs mit einem breiten Lächeln. “Das ist die Plattform, auf der die meisten Windows-Nutzer zuhause sind.”

Bitkom überreicht Datenschutz-Kodex an De Maizière

Die nachfolgende Meldung dokumentiert die Lobby-Arbeit der BITKOM, eines Interessensverbandes der IT-Wirtschaft.

Dieser Verband, der sich in der Vergangenheit nur allzu häufig dadurch ausgezeichnet hat, dass er die Gefahren von Datenschutzmissbrauch verharmlost hat und Unternehmen, die gegen gesetzliche Datenschutz- und Datensicherheitsbestimmungen verstoßen haben, in Schutz genommen hat, deklariert jetzt vollmundig, einen “Datenschutz-Kodex” zustande bekommen zu haben.

Die Selbstverpflichtung lässt bislang deutlich erkennbaren Mehrwert für Nutzer vermissen. Und die angekündigten Informationen zu Geodaten u. ä. sind vermutlich auch zunächst sehr kritisch zu hinterfragen.

Quelle: sueddeutsche.de, 01.03.2011

Hannover (dpa) – Der Branchenverband Bitkom hat am Dienstag auf der CeBIT in Hannover einen Datenschutz-Kodex der Industrie an Bundesinnenminister Thomas de Maizière übergeben.

Die Selbstverpflichtungserklärung sei ein wichtiger erster Baustein für den verantwortungsvollen Umgang mit Geodaten im Internet, sagte de Maizière. “Mit dem Kodex setzen die deutsche Wirtschaft und international agierende Großunternehmen ein Zeichen für mehr Transparenz.”

Führende Vertreter der IT-Branche haben sich nach intensiven Gesprächen mit der Politik auf einen gemeinsamen Kodex verständigt, der eine Selbstverpflichtung für Panorama-Dienste im Internet enthält. Der Kodex wurde nun von acht Unternehmen unterzeichnet, darunter Google, Microsoft, Nokia und die Deutsche Post. Vorangegangen seien intensive Verhandlungen auch mit den amerikanischen Zentralen der Unternehmen, sagte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer bei der Übergabe.

Im vergangenen Sommer habe vor allem Googles Straßenatlas Street View mit dem Abfotografieren von Straßenzügen für große Empörung gesorgt, sagte de Maizière. Die Politik habe sich gegen ein Einzelfallgesetz entschieden. Das große Potenzial von Geodaten-Diensten habe man erkannt und wolle die Chancen für künftige Angebote nicht verbauen. “Dazu kommt, dass Häuserfassaden das Öffentlichste sind, was es überhaupt gibt”, sagte De Maizière.

Die Selbstverpflichtung soll nach Angaben des Bitkom bis Herbst umgesetzt werden. “Wir starten gleich nach der CeBIT mit den technischen und organisatorischen Vorbereitungen”, sagte Scheer. So will die Industrie ein zentrales Internetportal aufbauen, über das sich Bürger informieren können – unter anderem darüber, wie einzelne Dienste funktionieren, ob ihre Stadt gerade erfasst wird und welche Rechte sie haben. Webseiten, auf denen Nutzer Widerspruch einlegen können, sollen ebenfalls verlinkt werden.

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