Datenschutz im Internet – Wie wir unsere Privatsphäre doch schützen können

Quelle: SPIEGEL ONLINE, 28.10.2011

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,794427,00.html

Von Hannah Pilarczyk

Sofort raus aus Facebook? Wer Datenschutz wichtig findet, scheint zurzeit auf verlorenem Posten zu sein – schließlich haben Internetexperten wie Jeff Jarvis das Zeitalter der “Post-Privacy” ausgerufen. Doch es geht auch anders – entscheidend ist, dass man den Kontext nicht aus dem Blick verliert.

Zwei Ordnungsprinzipien werden in der Debatte um Datenschutz im Internet oft durcheinandergewirbelt: Zugang und Kontrolle. Wem mache ich meine Daten zugänglich? Was darf er mit ihnen machen? Obwohl dies zwei sehr unterschiedliche Fragen sind, werden sie selten getrennt beantwortet – was weitreichende Konsequenzen hat.

Gerade die lautesten Post-Privacy-Advokaten wie Jeff Jarvis oder Christian Heller umgehen nämlich diese Differenzierung. Beide behaupten, Verstöße gegen das Kontrollprinzip (“Facebook hat meine Daten an Dritte weitergegeben”) würden auch das Zugangsprinzip hinfällig machen (“Dann kann ich’s ja gleich öffentlich posten”). Weil sie selber keine Differenzierungen beim Problemaufriss vornehmen, lassen sie daraus folgen, dass es auch keine differenzierten Lösungen geben könnte.

“Vergesst die Privatsphäre!” ist ihr provokantes, im Grunde aber ratlos machendes Motto. Denn letztlich nimmt es die Politik aus der Verantwortung und überlässt es dem einzelnen User, ein soziales Problem individuell zu lösen.

Für den, dem noch am Datenschutz gelegen ist, ergibt sich daraus eigentlich nur eine Konsequenz: Sofortausstieg aus allen Social Networks und sonstigen digitalen Diensten. Doch ist das wirklich praktikabel? Tatsächlich haben diese Angebote in unserem Leben doch eine so wichtige Rolle eingenommen, dass sie aus dem Alltag kaum mehr wegzudenken sind. Komplettausstieg ist deshalb keine realistische Option. Aber auch konzeptionell überzeugt die Forderung nach Online-Abstinenz nicht. Sie verkennt nämlich, dass Privatsphäre im Kern etwas höchst soziales ist.

Der Kellner darf nicht mitreden

Das zeigt sich schon an einem sehr einfachen Beispiel – nämlich einem Menschen, der auf einer einsamen Insel gestrandet ist. Keine seiner Handlungen wird von einem anderen Menschen beobachtet, geschweige denn aufgezeichnet. Dennoch würde man hier nicht von Privatsphäre sprechen, denn die entsteht nur in Abgrenzung zu Öffentlichkeit.

Gleichzeitig gibt es aber auch Privatsphäre innerhalb von Öffentlichkeit. Das klingt kompliziert, wird aber von uns täglich gelebt. Ein Beispiel dafür ist das Gespräch im Restaurant. Auch wenn wir uns für einen öffentlichen Ort als Treffpunkt entschieden haben, erwarten wir, dass wir uns ungestört mit unserer Begleitung unterhalten können und weder die Tischnachbarn noch die Bedienung sich einschalten.

Denselben Anspruch müssen wir auch hinsichtlich der neuen Medien erheben können, fordert Helen Nissenbaum. Die New Yorker Kultur-und Kommunikationswissenschaftlerin hat mit ihrem Buch “Privacy in Context” eine der interessantesten Analysen zu Überwachung und Datenschutz geschrieben. Sie ist der Überzeugung, dass es nicht sinnvoll ist, Privatsphäre und Öffentlichkeit theoretisch zu definieren. Die Bedeutung beider Konzepte würde sich vielmehr erst aus dem jeweiligen sozialen Zusammenhang erschließen, in dem Informationen fließen.

So sind wir froh, wenn unser Arzt Einblick in unsere detaillierte Krankenakte hat und auf dieser Grundlage eine Diagnose erstellen kann. Dieselben Informationen frei verfügbar im Internet wären hingegen ein Alptraum. Genauso macht es uns nichts aus, wenn jemand in der Schlange im Coffeeshop sieht, wie wir einen Soja Chai Latte kaufen. Würde sich dieser jemand aber unsere Bestellung notieren und sie mit denen der vergangenen Tage vergleichen, wären wir empört.

Welcher Zusammenhang wird verletzt?

Nissenbaum plädiert deshalb dafür, eine neue Anwendung zum Beispiel auf Facebook nicht danach zu bewerten, ob sie die Privatsphäre an sich verletzen würde. Der bessere Maßstab wäre ein Konzept, das sie “contextual integrity” nennt – die Unversehrtheit des Kommunikationskontextes. Dieses Konzept erscheint zunächst eher akademisch, ist aber in Wirklichkeit eine sehr praktische Orientierungshilfe bei der Beurteilung, wann unsere Privatsphäre verletzt wird.

Für Nissenbaum hat contextual integrity vier Bestandteile.

Erstens den sozialen Zusammenhang, in dem kommuniziert wird – das Krankenhaus bildet zum Beispiel einen medizinischen Zusammenhang, innerhalb dessen über die Gesundheit eines Patienten gesprochen wird.

Zweitens die wichtigsten Akteure, die an der Kommunikation beteiligt sind – in diesem Beispiel Arzt und Patient.

Dritter Bestandteil ist die Qualität der Informationen – wird nur über Blutwerte gesprochen oder auch persönliches?

Viertens gehören zu contextual integrity die Übertragungswege von Informationen – ob man sich mündlich austauscht oder E-Mails schreibt.

Laut Nissenbaum können wir erwarten, dass in einem Kommunikationskontext diese vier Bestandteile nicht ohne unsere Zustimmung verändert werden. Geschieht dies trotzdem, werden der Kommunikationskontext und damit auch unsere Privatsphäre verletzt.

Ansatzpunkte für neue Gesetze

Um im Beispiel zu bleiben: Wird zu einem Patientengespräch plötzlich ein Vertreter der Pharmaindustrie dazu gebeten, ändert sich sowohl der soziale Zusammenhang – schließlich geht es plötzlich auch um wirtschaftliche Interessen – als auch der Kreis der beteiligten Akteure. Nach dem Konzept der contextual integrity kann der Patient zu Recht geltend machen, dass seine Privatsphäre verletzt wurde.

Gleiches gilt auch für Veränderungen in den Anwendungen oder Geschäftsbedingungen von Social Networks. Können plötzlich Dritte unsere Daten einsehen oder werden Informationen an Werbekunden weitergegeben, ohne dass wir dem explizit zugestimmt haben, ist unsere berechtigte Erwartung, dass der Kommunikationskontext unversehrt bleibt, nicht erfüllt worden. Ein Verstoß gegen unsere Privatsphäre liegt vor.

Viele Änderungen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder Sicherheitseinstellungen von SchülerVZ oder Facebook lassen sich nach diesem Modell als Verstöße gegen die Privatsphäre werten. Das hat noch keine rechtlichen Folgen, zeigt aber auf, wo gesetzliche Neuregelungen ansetzen könnten.

Ob diese letztlich praktikabel sind? Das lässt sich vorab schwer beurteilen. Bevor man im großen Stil das Zeitalter der Post-Privacy ausruft, kommt man aber nicht umhin anzuerkennen, dass das Konzept der Privatsphäre doch etwas gehaltvoller ist, als es einem lieb ist.

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Facebook: Der Umgang mit den Privatsphäre-Einstellungen (1)

Kürzlich erhielt ich eine Freundschaftsanfrage auf Facebook von einem alten Freund. Er habe den Schritt in die Moderne gewagt und sei jetzt auch hier. Ein paar Tage später morgens um halb acht ein nervöser Anruf jenes Freundes: Er habe seinen Namen gegoogelt und festgestellt, dass die Fotos, die er auf Facebook eingestellt habe, nun für alle sichtbar seien! Das habe er nicht gewollt! Er habe das auch anders eingestellt!

Ich ging in meinem eigenen Profil auf die Suche, um ihm eine Schritt für Schritt Anleitung zur Überprüfung seiner Einstellungen zu schicken und stellte wieder einmal fest, dass es selbst für geübte Anwender gar nicht so leicht ist, sich in den Privatsphäre Einstellungen zurecht zu finden.

Daher hier noch einmal eine Übersicht.

Wenn man ein Profil eingerichtet hat und sich angemeldet hat, gibt es oben rechts in der Leiste ein Menü “Konto”. Öffnet man dieses Menü, erscheint unter anderem der Punkt “Privatsphäre Einstellungen”. Diesen Punkt anklicken, dann landet man in dieser Übersicht.

Facebook Privatsphäre Einstellungen

Facebook Privatsphäre Einstellungen

Ist in der Rubrik “Inhalte auf Facebook teilen” “Alle” aktiviert, sind alle im Profil zu eingetragenen Informationen und eingestellte Fotos von allen einsehbar – alle sind in diesem Fall alle Internetnutzer weltweit. Diese Einstellung ist bei einem neu angelegten Profil voreingestellt, da Facebook bekanntermaßen der Meinung ist, dass Privatheit überflüssig ist. Ist die Einstellung “Freunde von Freunden” gewählt, entsteht keine ganz so große öffentliche Einsehbarkeit meines Profil, jedoch auch eine ziemlich große. Bin ich mit 100 Leuten vernetzt, die alle auch mit 100 Leuten vernetzt sind, ist mein Profil für zahlreiche fremde Nutzer einsehbar mit denen mich nur verbindet, dass wir gemeinsame Bekannte haben. Das kann unangenehme Folgen haben. Eine meiner Cousinen hatte die “Freunde von Freunden” Einstellung aktiviert – und erhielt eines Tages Ultraschallfotos eines ungeborenen Kindes. Absenderin war eine Frau, mit der ein ehemaliger Liebhaber meiner Cousine das Kind gezeugt hatte, facebooktechnisch gesprochen die Freundin eines Freundes.

Wer solche Ärgernisse vermeiden will, sollte “benutzerdefiniert” wählen und jeweils “nur Freunde” markieren – oder im Einzelnen festlegen, wer welche Informationen sehen darf. Das Speichern der Einstellungen nicht vergessen … und das Risiko unfreiwilliger Öffentlichkeit ist reduziert. Weitere Schritte sind allerdings empfehlenswert, sie folgen in einem nächsten Beitrag.

Paula Coehler

“Keine Macht den Daten-Lobbyisten”

Eine nach Ansicht der Redaktion sehr lesenswerte Antwort auf Aussagen von Julia Schramm (siehe Interview “Datenschutz: Internet-Exhibitionisten “Spackeria”” vom 10.03.2011 mit SPIEGEL ONLINE) hat “Sponner” formuliert.

Quelle: http://juliaschramm.de/blog/uncategorized/zynismus-und-idealismus/#comment-196, 10.03.2011

Schramm: Keine Macht den Datenschützern. Wir finden, dass die aktuelle Diskussion um den Schutz von Daten an der Realität vorbeigeht. Wir leben in einer vernetzten Welt, wo Privatsphäre durch das Internet nicht mehr möglich ist. Nun müssen wir sehen, wie wir damit umgehen.

Keine Macht den Daten-Lobbyisten. Wir finden, dass das aktuelle Interview bzw. die Meinung von Fr. Schramm vollkommen an der Realität vorbeigeht. (und an Naivität kaum zu überbieten ist)

Privatsphäre im Internet ist sehr wohl, ohne Informatikstudium möglich.

Denn es ist (größtenteils) jedem selbst überlassen, wie viel er wo, mit welchem Wahrheitsgehalt, über sich preis gibt. “Man muss halt mal sehen (nachdenken) – wie man mit dem Medium Internet umgeht.”

Schramm: Das ist zwar ein schöner Anspruch, aber meine Daten können mir nicht mehr gehören. Wir haben längst die Kontrolle darüber verloren. Ob wir es nun gut finden oder nicht: Privatsphäre ist sowas von Eighties. (lacht)

Das ist zwar ein schöner Irrglaube, aber meine Daten gehören nach wie vor mir. Ich habe noch lange nicht die Kontrolle darüber verloren – ob Sie das nun gut finden oder nicht… aber ich weiß ja bereits: “Denken – sowas von Eighties” (lacht)

Schramm: Wie denn? Der Aufwand, private Daten zu kontrollieren und zurückzuhalten, ist mittlerweile unverhältnismäßig hoch. Im Endeffekt können wir uns nicht dagegen wehren. Deswegen wollen wir eine Diskussion über Post-Privacy anstoßen, als Flucht nach vorne.

Banale Antwort: “Einfachmal die Fresse halten.” (Zitat: Dieter Nuhr)

Der Aufwand, private Daten zu kontrollieren und zurückzuhalten, indem man nicht jedem alles auf die Nase bindet, 200 Statusmeldungen am Tag in die Welt bläst und nicht überall seine echten Daten angibt wo ein * ist – ist verhältnismäßig einfach. Im Endeffekt kann man sich super leicht dagegen wehren. Deswegen sollten wir eine Diskussion über “Intelligence-Internet-Using” anstoßen, als Flucht nach vorne.

Schramm: Das ist erst mal eine Zustandsbeschreibung, wie der Begriff schon sagt, nach der Privatsphäre. Gleichzeitig ist es auch eine Utopie, die Idealvorstellung einer Gesellschaft, die Privatsphäre nicht mehr nötig hat, weil es keine Diskriminierung mehr gibt.

“Intelligence-Internet-Using” ist erst mal eine Zustandsbeschreibung, wie der Begriff schon sagt, zu Erhaltung der Privatsphäre. Es ist keine Utopie, die ohne die Idealvorstellungen einer perfekten Gesellschaft auskommt, in der die Privatsphäre abgeschafft wird und ein totalitärer Staat errichtet werden kann.

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Schramm: Es mag dann zwar immer noch Platz für Privatspähre geben, im Sinne der Trennung Hannah Arendts von öffentlichem und privatem Raum. Aber sie wird nicht mehr als Schutz notwendig. Viele Datenschützer argumentieren ja mit wirtschaftlichen und staatlichen Repressionen, die drohen, wenn die eigenen Daten nicht genug geschützt sind. Außerdem glaube ich, dass der Wunsch nach dem Schutz der Privatsphäre eine Reaktion auf eine unsichere und potentiell gefährliche Umgebung ist.

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Es mag zwar Platz für gegensächliche Meinungen existieren, im Sinne der Meinungsfreiheit. Aber die Privatsphäre ist nach wie vor zum Schutz notwendig. Viele Datenschützer argumentieren genauso, weil sie die reale Geschichte einiger totalitärer Staaten kennen (Stichworte: DDR, Stasi), das war keine “Drohung” oder “Angst” sondern – nun kommts: REALITÄT!

Außerdem glaube ich, dass die Privatsphäre mich in der Tat vor dieser unsicheren und definitiv gefährlichen Umgebung schützt. (aber, geben sie ihren Wohnort ruhig den freigelassenen EU-Vergewaltigern preis, soll nicht mein Problem sein)

Schramm: Im Internet ist es eben vorbei mit der Privatsphäre, darüber sollte man sich klar sein. Schon der Begriff Datenschutz gaukelt eine falsche Sicherheit vor, die es praktisch nicht mehr gibt. Die einzige Alternative ist, anonym zu surfen.

Im Internet ist eben bei den Meisten vorbei – mit gesundem Menschenverstand. Darüber sollte man sich klar sein. Schon der Begriff “Verstand” gaukelt eine falsche Intelligenz vor, die es praktisch nicht mehr gibt. Die Einzige Alternative ist – sich GEDANKEN zu machen.

Schramm: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich im Gegenzug auch viel zurückbekomme, neue Freundschaften, Anregungen, Unterstützung. Einige Freunde haben mir gesagt, dass ich nicht über sie schreiben soll, das respektiere ich natürlich. Und ich muss mit den Konsequenzen rechnen: Wenn ich mich irgendwo bewerbe, kann mein Chef mit Google sofort herausfinden, dass ich für die Piratenpartei bei einer Wahl angetreten bin.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich im Gegenzug AUCH viel zurückbekomme, dubiose “Freundschaften”, SPAM, Sexmails, Penisverlängerungswerbung alles Anregungen und Unterstützung – je nach Auslegung. Ein Glück, das ihre Freunde noch selbstständig denken und gut das sie das respektieren. Ein Anfang. Mit dem letzten Satz, haben sie Recht. Ob das nun ihr Vor- oder Nachteil ist, wird sich in der Künftigen Jobsuche zeigen… aber vergessen sie bitte auch nicht all die negativen Kommentare, die nun mit ihrem Namen für immer verbunden sind.

Schramm: Privatsphäre ist auch der Ort, wo Ehemänner ihre Frauen schlagen. Aber wir wollen auch keinen anarchistischen Zustand, in dem es überhaupt keine Privatsphäre mehr gibt. Es muss schon noch Einschränkungen geben

Das exhibitionistische Internet ist auch der Ort, wo Se*videos von “naiven Freundinnen” veröffentlich werden, die glauben ihr Freund will das Se*video nur für den “Privatgebrauch” drehen… oder Kinderp*rnos straffrei getauscht werden. Da muss es schon noch Einschränkungen der (zumindest meiner) Privatdaten geben! Denn ich will das peinliche Fotos / Videos von mir – auch bei mir bleiben. Der einfachste Weg dazu: Ich behalte sie für mich.

Bis dahin gilt ein Spruch, den ein Spon-Forist gepostet hat – und den ich sehr zutreffend finde:

“Stop the pain, use your brain!

CeBit 2011 – Datenschutz

Heute am Heise-Stand: OpenID, Datenschutz und Sicherheit

Quelle: heise-online, 01.03.2011

Auch auf der CeBIT 2011 präsentiert sich der Heise Zeitschriften Verlag am traditionellen Platz in Halle 5, Stand E38 mit dem Computermagazin c’t, dem IT-Profimagazin iX, dem Wissenschaftsmagazin Technology Review und heise online. Das Rahmenprogramm besteht wieder aus Vorträgen und Vorführungen an der Rückseite des Standes.

Die Vortragsreihen beginnen täglich um 10 Uhr mit Veranstaltungen zu verschiedenen Rechtsthemen, heute zum Thema “OpenID trifft elektronischen Personalausweis – Sichere Authentisierung im Internet” mit Sebastian Feld von der FH Gelsenkirchen. Zusammen mit dem unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) stehen täglich ab 11 Uhr Vorträge zu Datenschutz und Privatsphäre auf dem Programm. Am heutigen Dienstag sprechen Henry Krasemann und Martin Rost vom ULD “Technikunterstütztes Alt-werden – Würdegewinn oder Datenschutzgau?”

Täglich ab 13 Uhr halten Forscher der Universität Hannover Vorträge, heute über den rechtlichen Schutz grafischer Benutzeroberflächen. Sebastian Schreiber betreibt täglich um 14 das traditionelle Live-Hacking und zeigt dabei, wie schnell und einfach sich Lücken ausnutzen lassen. Über “Sicherheit in virtuellen Umgebungen” spricht um 15 Uhr Nils Kaczenski von der WITstor GmbH. Es folgen noch zwei Veranstaltungen um 16 Uhr zum Thema “Bürgerbewegung in der Kommunikationsgesellschaft” und um 17 Uhr über “Rechtssichere Datenschutzhinweise für Websites und Newsletter”.

US-Handelsaufsicht will Datenschutz im Internet stärken

Quelle: heise online, 02.12.2010

Die US-Handelsaufsicht Federal Trade Commission (FTC) hat umfangreiche Empfehlungen zur Verbesserung des Datenschutzes im Internet veröffentlicht. Mit dem Bericht will die Behörde Impulse für den Gesetzgeber setzen und vor allem der Selbstkontrolle der Internetwirtschaft Beine machen. Diese sei bisher “zu langsam gewesen” und habe keinen “angemessenen Schutz” bewirkt. Es müssten daher Wege aufgezeigt werden, die Verbrauchern wie Unternehmen die Sicherung ihrer Privatsphäre in Datenwelten einfacher machten. FTC-Chef Jon Leibovitz betonte die Gefahren, die von der Verbindung von personenbezogenen Informationen über verschiedene Webseiten und Online-Dienste zu umfangreichen Profilen ausgingen. Er lud zugleich Interessierte ein, zu den Vorschlägen online Stellung zu nehmen.

Konkret rät die Behörde, dass der Datenschutz schon bei der Planung und Entwicklung von Produkten und Diensten stärker berücksichtigt werden müsse. Dieser “Privacy by Design”-Ansatz wird auch von europäischen Datenschützern hochgehalten. Eine Hauptempfehlung des Berichts lautet, eine Art virtuelle Robinson-Liste umzusetzen. So wie es Verbrauchern derzeit möglich ist, sich mit einem Eintrag in ein Verzeichnis gegen Direktwerbung auszusprechen, soll dies im digitalen Raum durch eine dauerhafte Browser-Voreinstellung möglich werden.

Die FTC macht sich in diesem Zusammenhang für die Einführung eines “Do Not Track”-Mechanismus stark, wie ihn US-Forscher der Stanford University bereits entwickelt haben. Dabei wird über das Web-Protokoll HTTP signalisiert, dass ein Nutzer nicht möchte, dass seine Klicks und Online-Bewegungspfade ausgewertet und diese Analyse beispielsweise für die Anzeige auf ihn zugeschnittener Banner verwendet wird. Gefragt sei ein “einfacher Auswahlmechanismus für die Verbraucher”, heißt es in dem Report, mit dem sie sich gegen die Sammlung personenbezogener Informationen über ihr Internetverhalten verwahren können.

Die Empfehlungen umfassen weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Transparenz wie die Einführung standardisierter Hinweise, mit denen die Nutzer rasch die Datenverarbeitung bei verschiedenen Online-Unternehmen vergleichen können sollen. Die herkömmlichen Datenschutzerklärungen der meisten kommerziellen Webseiten seien nur schwer zu finden und kaum verständlich. Zudem sollten Verbraucher einen “angemessenen Zugang” zu den Datenbeständen erhalten, die Firmen über sie aufbewahren. Zu guter Letzt müssten alle beteiligten Parteien stärkere Anstrengungen unternehmen, um die Konsumenten über kommerzielle Datensammelpraktiken und deren Folgen sowie persönliche Widerspruchsmöglichkeiten aufzuklären.

Datenschutz-Angst bremst Social-Media-Wachstum

Bedenken nehmen besonders bei älteren Usern zu

Quelle: pressetext austria (pte.at), 12.11.2010

Cambridge (pte/12.11.2010/13:40) – Die permanenten Datenschutz-Skandale bei sozialen Netzwerken und anhaltende Warnungen von Experten vor bestehenden Lücken zeigen Wirkung bei den Usern. Ihr Wunsch nach einem besseren Schutz der Privatsphäre nimmt zu. Die stärkeren Bedenken potenzieller Mitglieder stellt die Portale – allen voran Facebook – jedoch vor Grenzen, wie die Marktforscher von Forrester Research http://www.forrester.com aufzeigen. Ihr Wachstum wird mittlerweile von einer Sättigung gebremst. Insbesondere die vergleichsweise unerschlossene Gruppe älterer Web-Nutzer zeigt sich zunehmend skeptisch.

Erst vor wenigen Wochen hatte Facebook zu wiederholtem Male mit einem Datenschutz-Skandal auf sich aufmerksam gemacht. Den Anbietern von Apps – auf der Plattform von Millionen Usern verwendete Programme – war es möglich, relevante Nutzerdaten an Werbeunternehmen zu versenden (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/101018015/). Laut Forrester führen die wachsenden Bedenken bei den Nutzern nunmehr zu Verhaltensänderungen im Web. Sie achten stärker auf Risiken und bleiben den Netzwerken vermehrt fern.

Aktivere Nutzer weniger besorgt

Die Datenschutz-Ängste nehmen über alle Altersgruppen hinweg zu. Jüngere User gehen online im Vergleich aber noch sorgloser mit ihrer Privatsphäre um. Bei Nutzern zwischen 18 und 29 Jahren stiegen die Benken im Vergleich zum Vorjahr nur marginal von 29 auf 30 Prozent. 30 bis 43-Jährige zeigten mit einem Anstieg von 30 auf 33 Prozent ebenso eine eher verhaltene Zunahme. Im Alter von 54 bis 64 Jahren verzeichnete Forrester jedoch die stärkste Steigerung von 32 auf 50 Prozent. Ebenso kletterten die Werte in den Altersgruppen darunter und darüber deutlich.

Junge User sind in sozialen Netzwerken stärker aktiv als ältere. Angesichts der zunehmenden Sorgen von Personen höheren Alters stehen die Portale zwar womöglich vor einem Wachstums- und Sättigungsproblem. Damit bleibt allerdings gleichzeitig die Frage, ob jüngere Social-Networker trotz oder gerade wegen ihres starken Engagements in den Communitys im Vergleich weniger besorgt über die Datenschutz-Problematik sind.

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